Erfahrungsberichte

Kann man nur aus selbst gemachten Erfahrungen lernen? Vielleicht hilft es ja auch, zu erfahren, wie andere mit ihren Problemen fertig geworden sind.

Wir präsentieren hier Erfahrungsberichte Betroffener:

Keine Arbeitsplätze für Gehörlose?

13.04.2007 11:25

Irene Wackers Tochter Nicole ist gehörlos. Nicole wird in ein paar Monaten ihre Ausbildung zur Fachkraft in Lagerlogistik abschließen. Super!?! Frau Wacker hat da sehr gemischte Gefühle. Einerseits kann sie natürlich stolz sein auf ihre Tochter, andererseits graust es ihr davor, für Nicole einen Arbeitsplatz suchen zu müssen. Als Mutter eines gehörlosen Kindes ist sie zwangsläufig in eine Helferrolle gekommen. Viele junge Gehörlose bitten sie um Rat und Hilfe. So hat sie schon umfangreiche Erfahrungen sammeln können in Bezug auf Suche nach einem Arbeitsplatz. Und die sind leider deprimierend. Warum werden Gehörlose nicht eingestellt, obwohl sie in der Schule intensiv gefördert wurden und eine ausgezeichnete Berufsausbildung abgeschlossen haben? Warum muss z.B. ein Konditor sich mit einem Hilfsarbeiterjob zufrieden geben - wenn er den denn überhaupt bekommt? Frau Wacker hofft, dass sich eine schlagkräftige Lobby für Gehörlose bilden wird, damit sie bei Arbeitgebern auf mehr Verständnis stoßen. Ihren Erfahrungsbericht hat sie deshalb betitelt:

Wenn Gehörlose auf taube Ohren stoßen

Erinnerungen eines taubstummen Internatszöglings

17.02.2006 09:49

"Schläge im Namen des Herrn" ist der Titel eines neuen SPIEGEL-Buches von Peter Wensierski. Untertitel: Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik.

Ob es so etwas auch in Internaten für Hörgeschädigte gegeben hat? Ein ehemaliger Internatsschüler wurde durch dieses Buch an seine Zeit im Internat erinnert:"Dieses Buch ist für mich wie ein Geschenk des Himmels!" Vieles kam ihm bekannt vor, und es hat ihn dazu angeregt, seine Erinnerungen stichwortartig zu Papier zu bringen. Als besonders krass empfand er den Gegensatz zwischen christlichem Anspruch und brutaler Realität: "Unter diesen Holzkreuzen sind die vielen absurden Züchtigungen erfolgt."

Erinnerungen eines taubstummen Internatszöglings

Erfahrungsbericht: Umschulung

22.11.2005

“Mit Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du auch was Schönes bauen.“

Ein tolles Fazit, das Sindy Funke aus ihren Erfahrungen - die durchaus nicht alle positiv waren - mit einer Umschulung gemacht hat. Wenn eine Schwerhörigkeit so weit fortschreitet, dass die Arbeit im erlernten Beruf nicht mehr möglich ist, dann ist eine Umschulung oft unumgänglich. Diese Umschulung in einem Berufsförderungswerk sollte dann logischerweise auf die besonderen kommunikativen Bedürfnisse von Hörgeschädigten ausgerichtet sein. Sollte! - Aber lesen Sie selbst

Sindys Erfahrungsbericht

Homepage der "Tinnitus-Taube" Sindy: http://www.tinnitus-taube.de/ - passt prima zum Tauben-Schlag! ;-)

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Dr. Hans-Uwe Feige mit Dolmetscherin Heike Barth (Leipzig) im Plenarsaal des Bundestages, Foto: Petra Pau, Berlin

Erlebnis Bundesversammlung

25.06.2004

Dr. Hans-Uwe Feige hat als erster Gehörloser als Wahlmann an der Bundesversammlung teilnehmen dürfen. Erstmals traten Gebärdensprachdolmetscher bei der Wahl des Bundespräsidenten auf. Für Herrn Dr. Feige ein großartiges Erlebnis, Prominenz aus nächster Nähe zu sehen, und für alle anderen beeindruckend, einen gehörlosen Wahlmann mit seinen Dolmetschern zu erleben. Für viele war es offensichtlich der erste Kontakt zu einem Gehörlosen überhaupt. Insofern eine gelungene Public-Relations-Aktion im Sinne der Gehörlosen.

Ein wirklich historisches Ereignis, das nicht nur in Deaf-History-Büchern vermerkt werden wird. Nur schade, dass keine Reporter der Gehörlosenpresse anwesend waren. "Kein „Sehen statt Hören“, nirgends. Wurde da nicht eine Möglichkeit verschenkt, dem Publikum - Hörgeschädigten und ihren Freunden - ein Stück lebendige Demokratie zu zeigen?" stellt Herr Dr. Feige fest in seinem Bericht:

Erlebnis Bundesversammlung

Und es ist doch ein Vorteil gehörlos zu sein!

04.11.2002

Christian Vogler:
Unter Wasser haben Taucher Probleme, sich verständlich zu machen. Es sei denn, sie sind gehörlos.

... Unter Wasser funktionieren die menschlichen Stimmbänder nicht, und Technik, die dieses Problem umgeht, ist für Normalverbraucher unerschwinglich. In anderen Worten, Hörende werden plötzlich in die Rolle eines Stummen zurückgeworfen. Taucher bedienen sich für die wirklich lebensnotwendigen Konzepte international standardisierter Handzeichen (zum Beispiel "Mir geht die Luft aus", "Alles klar", "Bereit zum Abtauchen?", usw.), aber über diese Konzepte hinaus bleibt ihnen nur der umständliche Griff zur Kritzeltafel.

Wieviel einfacher ist es da doch für Gehörlose, die sich der Gebärdensprache bedienen! Der gesamte Gedankenaustausch zwischen Sharon und mir, bevor wir von Shawn ertappt wurden, hat weniger Zeit in Anspruch genommen als Jackie für das Schreiben von nur drei Wörtern auf die Kritzeltafel benötigt hat! Und das trotz der Tauchermaske und Atemregler, die es einem unmöglich machen, Mimik und Mundbild zu sehen, und trotz der dicken Neoprenhandschuhe, die wir alle als Schutz gegen das kalte Wasser tragen.

Und es ist doch ein Vorteil gehörlos zu sein!

Mit Händen und Gesichtsmuskeln sprechen

10.12.1999


Wer nicht hören kann, muß sehen - und die Welt mit den Augen verstehen. Wie Andrea und Marty , die seit ihrer frühesten Kindheit gehörlos sind.

Mit Händen und Gesichtsmuskeln sprechen