Der gehörlose Schwimmstar Terence Parkin ist zu Hause ein ganz normaler Typ, sagt die 14-jährige Schwester Lara, nachdem sich der „stille Torpedo“ am Mittwoch im Finale über 200 m Brust olympisches Silber erschwommen hatte.
„Für mich ist er nicht gehörlos, ich nehme es nicht mehr wahr. Wir kommunizieren sehr gut miteinander. Wir verstehen uns sehr gut, aber manchmal streiten wir auch“, ergänzt sie. „Nichts Ernstes, nur Albernheiten.“
Während Parkins Handicap zu Hause keine Besonderheit mehr darstellt, hat es ihn zu einem der mental und körperlich stärksten Schwimmer der Welt gemacht.
Beim Start hört er niemals das Getöse der Zuschauermengen, wenn er auf den Startblock steigt – und auch nicht, wenn er auf das Treppchen steigt, um sein Silber abzuholen.
„Die Situationen machen ihn nicht nervös,“ sagt der in Durban tätige Trainer und Freund Graham Hill. „Er lässt sich davon nicht einschüchtern.“ Während der 20-jährige Parkin fast alle Wettkämpfe seiner Laufbahn locker absolvierte, gibt er zu, dass es etwas anderes ist, bei den Olympischen Spielen zu starten.
„Ich war nervös vor dem Rennen. Aber ich finde es schön, wenn ich nervös bin, weil es mich stärker macht.“ Er war so fest entschlossen, die 17.000 dicht gedrängten Zuschauer im Sydney International Aquatic Centre nicht wahrzunehmen, dass er noch nicht einmal seine Hörgeräte mitgebracht hatte, die es ihm ermöglichen, etwas zu hören.
Parkin kann über seine Gehörlosigkeit lachen und seine Mannschaftskollegen machen gerne mit.
Während einer Probe für eine Eröffnungsfeier zu den letztjährigen Afrika-Spielen in Johannesburg, richtete Parkin große, dröhnende Lautsprecher genau auf seine Teamkollegen, die sich alle die Ohren zuhalten mussten, während er daneben stand und lachte.
Aber sie revanchieren sich bei ihm, indem sie ihn zum Beispiel ans Telefon rufen. Parkin macht immer gerne mit. „Ich weiß nicht warum, aber die Leute mögen meine Stimme, deshalb mache ich meine Späße mit ihnen.“
Das tat er auch bei der Pressekonferenz nach dem Rennen, als er zum Mikrophon schritt und mit einem ironischen Lächeln „hallo“ sagte. „Wir albern oft rum zu Hause,“ sagt Lara. „Einmal hat er sich eine schreckliche Maske aufgesetzt, so eine mit Warzen und so. Und er schlich sich von hinten an unseren Vater, der im Wohnzimmer saß, und überfiel ihn. Mein Vater ist fast aus dem Sessel gefallen.“
So fröhlich Parkin auch sein mag, das Training nimmt er immer ernst und Schmerzen zählen nicht, wenn sie dazu dienen, mehr als die geforderten Strecken zu leisten.
Die markanten Narben unterhalb der rechten Seite seines Kinns sind eine schreckliche Erinnerung an einen Unfall, der ihn im Alter von acht Jahren beinahe das Leben gekostet hätte.
Er fiel, am Strand fahrend, vom Rücksitz eines Geländewagens und geriet unter ein Rad, wobei er einen Kieferbruch und eine große Fleischwunde erlitt.
Bis heute kann er fast sein ganzes Kinn nicht spüren. Aber das hielt ihn nicht davon ab, das strahlendste Lächeln der Welt zu zeigen, als er hoch ging, um seine Medaille abzuholen.
Parkins unglaublicher Kampfgeist – der sich zeigte, als er als sich vom vorletzten Platz nach der ersten Wende nach vorne schwamm – rührte seine Kollegen, Familie und sogar einige Journalisten zu Tränen.
„Ich habe geweint“, gestand Lara. „Ich bin so stolz auf ihn.“ Eine der ersten Teamkollegen, die sich beeilte, um ihn herzlich zu beglückwünschen und zu umarmen, war Charlene Wittstock – ihr von Parkin gegebener Name in Gebärden ist „crazy“ (=verrückt), ein „C“ gefolgt von einer kreisenden Handbewegung am Kopf – und sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.
Trainer Hill konnte unmittelbar nach dem Rennen kaum sprechen, wahrscheinlich, weil der Kloß im Hals zu dick war.
Und der beherzte Parkin hörte niemals auf zu lächeln.